Mein Geld, mein Plan, mein Leben

Sternebewertung
3/5

Mein Geld, mein Plan, mein Leben

Wie man mit Aktien ohne Stress reich und zufrieden werden kann

 

Auf dieses Buch habe ich mich ganz besonders gefreut, da es mich brennend interessierte, wie der Sohn von Beate Sander seine Aktienkäufe managt und das Vermächtnis seiner Mutter weiterführt.

Es geht über Anlagestrategien und Fundamentaldaten hinaus und gibt Einblicke in sein berufliches Leben und seine persönliche Einstellung zu Zufriedenheit.

Das Buch in der gebundenen Ausgabe ist sehr hochwertig verarbeitet und wirkt sehr ansprechend.

Auf 170 Seiten, eingeteilt in acht Kapiteln startet es damit, wie Uwe Sander seine Finanzen plant und die Kosten reduziert, ohne dabei das Gefühl zu haben, sich einschränken zu müssen.

„Mein Ansatz besteht deshalb darin, finanziellen Erfolg im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung mit der Lebenszufriedenheit in Einklang zu bringen.“ (Uwe Sander)

Er erzählt ein bisschen aus dem Nähkästchen und berichtet, dass er schon als Berufsanfänger eine hohe Sparquote hatte und dieses Geld an der Börse investieren konnte. Wie seine Mutter war auch er als Lehrer tätig, jedoch konnte er sich mit den Widrigkeiten von Schulreformen nicht mehr anfreunden. Nach reiflicher Überlegung gab er den Lehrerberuf auf und konzentriert sich heute auf seine Aktieninvestments und schriftstellerische Tätigkeiten.

Aktien sind für Uwe Sander das ideale Mittel sein Erspartes nicht nur gegen die Inflation zu schützen, sondern das Vermögen zu vermehren. Im dritten Kapitel stellt er zudem alternative Anlagemöglichkeiten wie Immobilien, Kryptowährungen, Edelmetalle oder Staatsanleihen vor und durchleuchtet diese kritisch.

Wie man strategisch vorgeht, den richtigen Online-Broker heraussucht und fatale Fehler vermeidet, bringt Sander auf den folgenden Seiten übersichtlich auf den Punkt. Dabei greift er die „Hoch-Tief-Mut-Strategie“ seiner Mutter auf und führt diese fort. Wichtig ist ihm dabei unter anderem die langfristige, breite Streuung auf verschieden Branchen, Länder und Zeitpunkte – denn einen Tiefpunkt vom Aktienkurs kann niemand in der Zukunft erahnen. Interessant finde ich sein Vorgehen, dass er nach einem 100 % -igen Kursanstieg einen Teil des Volumens verkauft und diesen Gewinn in aussichtsreiche neue Kandidaten investiert. Die Depotaufteilung stellt sich zu 80 % aus Value Aktien (mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis unter 20) und 20 % Growth Aktien zusammen. Seine 80-20-20 Regel!

„Der deutlichen Mehrheit der Fondsmanager gelingt es nicht, den Markt zu schlagen.“ (Uwe Sander)

Nach einer kurzen Übersicht der Kennzahlen aus der Fundamentalanalyse widmet er sich dem nachhaltig-ökologischen Investment in Einzelaktien oder Fonds. In diesem Kapitel  stellt er einige Aktien und ETFs aus seinem Depot vor, inklusive der Kurs-Performance. In Kapitel sieben geht er ausführlicher auf Aktienfonds/ETFs ein. Seiner Meinung nach sollten ETFs das Fundament jedes Depot darstellen. Die  Vorteile und planerische Umsetzung werden verständlich erläutert.

Der Theorie – Praxis – Transfer ist Inhalt des achten Kapitels. Wie Uwe Sander ein Einzelaktien-Portfolio bestückt, welche Länder, Branchen und Dividendenaktien er ausgewählt hat, beschreibt er und stellt es tabellarisch übersichtlich dar. Hier wiederholt er seine „Hoch-Tief-Mut-Strategie“, die 80-20-20-Regel aus Kapitel vier und gibt Gedanken zu Finanzplanungen in jeder Lebensphase (Berufsanfänger, Familie, Ruhestand).

„Wenn Sie den größten Gefahrenherd für Ihre finanzielle Zukunft sehen wollen, gehen Sie nach Hause und schauen Sie in den Spiegel.“ (Jonathan Clements)

Das Buch schließt mit dem neuen Wissenschaftszweig Behavioral finance ab, der versucht, finanzielle Entscheidungen mit ihnen zugrunde liegenden Emotionen zu begründen. Finanzielle Denkirrtümer aufgrund der emotionalen Einflüsse machen uns Menschen leider zu schlechten Anlegern. Uwe Sander betont, wie wichtig es ist im Crash die Ruhe zu bewahren, weder in Panik zu geraten noch seine Aktien irrational zu verkaufen. Die Geschichte hat gezeigt, dass es langfristig immer wieder Bullenmärkte geben wird und Kursabrutsche eigentlich beste Möglichkeiten bieten, in Tranchen gestückelt nachzukaufen. Das ist der Grund, warum Sander immer eine ausreichend hohe Cash-Reserve bereithält, um in Bärenmärkten gezielt die Aktien von seiner Watchlist zu kaufen.  

Fazit:

Wie schon der Buchtitel verrät, stellt hier Uwe Sander seinen Plan und sein Leben im Kontext zu Geld vor.  Es hat hier eher einen autobiografischen Charakter. Er stellt hier seine Tipps recht kurz und knapp vor und kommt schnell auf den Punkt.

Unglücklicherweise ist diese Vorgehensweise auch bei der Aktienauswahl zu dürftig beschrieben. So kommen zwar Aktienkennzahlen (wie das KGV, KCV, KUV, EBIT-Marge) der Fundamentalanalyse vor, diese werden jedoch oberflächlich erklärt und nicht in einen Referenzbereich eingeordnet. Ein Börsenneuling könnte mit der Erklärung kaum etwas anfangen.

Uwe Sander fügt aufwendig recherchierte Tabellen und deren Aktienkurse, Wertpapiernummern und Performance hinzu, so gibt er dem Leser eine kleine Auswahl aus seinem Depot. Positiv ist das umfangreiche Glossar am Buchende zu erwähnen, das noch so jeden Börsenbegriff erklärt. Passend zum jeweiligen Thema sind die Seiten mit 40 (nachgezählt!) übergroßen lizenzfreien Stockfotos gefüllt. Die vielen Stock-Fotos in dem Buch dienen nicht der sachlichen bzw. erklärenden Darstellung textueller Inhalte.

Auf knapp 170 Seiten greift er alle essenziellen Aspekte des aktiven und passiven Investierens auf: von Finanzplanung, Asset-Klassen, Anlagestrategie, Fundamentalanalyse, Chart-Technik, ETFs und Behavioral finance. Eine schier unlösbare Aufgabe. Leider gibt er keine neuen besonderen Erkenntnisse, Methoden, Strategien oder Praktiken preis, die einen Mehrwert des Buches erkennen lassen, wenn man die Bücher von Beate Sander kennt.

„Diversification is the only free lunch in investing.“ (Harry Markowitz)

Den Aspekt der Diversifikation thematisiert Uwe Sander an insgesamt drei Stellen in seinem Buch. Erstmals in Kapitel 4 im Rahmen der „Hoch-Tief-Mut“-Strategie und insgesamt gleich zweimal im achten Kapitel wird dem Leser verdeutlicht, dass eine breite Streuung über Branchen, Regionen und Zeit das Aktiendepot widerstandsfähig macht. Die wissenschaftliche Grundlage der Diversifikation wird von ihm nicht erwähnt.

Die Nobelpreis-gekrönte Portfolio-Strategie von Harry Markowitz, die beweist, dass Investition in verschiedene Aktien zur Risikosenkung und zugleich eine Renditesteigerung ergibt, wurde an entsprechender Stelle nicht erwähnt.  Auch die Markteffizienzhypothese nach Eugene Fama wird in Kapitel 4 nicht angesprochen, obwohl sie die wissenschaftliche Basis der ETFs beweist. Hier wäre eine Ergänzung im nächsten Buch bestimmt interessant.

Geeignet für:  Fans von Beate Sander

Bewertung: nice to have

Über den Autor:

Uwe Sander, Wirtschaftskundelehrer, Hochschuldozent , Autor

Verlag: Finanzbuch Verlag

Gebundene Ausgabe: 212 Seiten

Erscheinungsdatum: 17. Mai 2022

Erste Auflage

Genre: Börse

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