HouselII

Über die Kunst, Geld bewusst einzusetzen

Einfache Entscheidungen für ein reicheres Leben

 

Besonders gefreut habe ich mich auf das nunmehr dritte Buch von Morgan Housel. Er ist dafür bekannt, komplexe Finanzthemen in leicht verständliche Lektionen mit vielen Geschichten über menschliches Verhalten zu verwandeln. In seinen Büchern und Kolumnen konzentriert er sich auf die psychologischen Aspekte von Geld, Investitionen und Verhaltensökonomie.

Schon auf dem Klappentext steht die provokante Frage: „Kann man Glück mit Geld kaufen?“ Housel beantwortet diese Frage bejahend, jedoch unter der Voraussetzung, dass man es als Werkzeug benutzt, nicht als Statusanzeige. Spätestens ab diesem Zeitpunkt möchte man wissen, wie er seine Lösungsansätze begründet.

„Einem uralten Spruch zufolge ist nichts schlimmer, als das zu bekommen, was wir uns wünschen – statt dem, was wir brauchen.“

Bereits in der Einleitung gibt er einen ersten Hinweis auf seine These: Geld ist ein Mittel zum Zweck – vorausgesetzt, man setzt es klug ein und nicht, um andere zu beeindrucken. An diesem Punkt beginnt Housel, psychologische Denkmuster zu beleuchten. Denn seiner Erkenntnis nach zeigt sich beim Geldausgeben weniger die Zahl, sondern vielmehr die Unordnung und Absurdität des menschlichen Verstandes.

In 22 Kapiteln durchleuchtet er psychologische Denkfallen, die finanziell ordentlich ins Geld gehen können. Ein plastisches Beispiel ist die Schönheitsoperation oder das überdimensionierte Auto auf Kredit: Vordergründig soll es Attraktivität oder Bewunderung bringen, eigentlich geht es um Wertschätzung und Zugehörigkeit. Schuld am zügellosen Konsum ist das Hormon Dopamin, das das Gehirn manipuliert und immer mehr exklusive Produkte will. Doch Besitz und Statussymbole werden irgendwann bedeutungslos.

„Menschen jagen oft dem falschen Gefühl nach. Sie streben nach einem großartigen, aber flüchtigen Hochgefühl statt Zufriedenheit. Strebe besser nach Zufriedenheit. Die fühlt sich besser an und hält länger vor.“

Und so kommt der Leser schnell zu der Erkenntnis, dass es die tiefergehenden Werte sind, die glücklich machen: Gesundheit, eine liebevolle Familie, gute Freunde, Unabhängigkeit und sinnstiftende Arbeit – also immaterielle Dinge. Wirklicher Wohlstand spielt sich leise ab: in innerer Ruhe, Freiheit und dem Gefühl, genug zu haben.

Ein wichtiger Gedanke ist: „Verringere zukünftige Reue!“ Das Problem besteht jedoch darin, dass wir nicht abschätzen können, wie viel Geld wir für die Zukunft investieren sollten und wie viel wir heute ausgeben dürfen. Einerseits möchten wir für die Rentenzeit genug Vermögen haben, was einen frugalen Lebensstil bedeutet. Auf der anderen Seite bieten sich heute Chancen für längere Urlaube. Wie so oft liegt die Wahrheit in einem gesunden Mittelweg. 

Es zeigt sich, dass Morgan Housel hier beginnt, die Vorstellung von einem „reichen Leben“ vom Begriff des Reichtums weg und hin zu einem erfüllten, sinnvolleren Leben mit Wohlbefinden umzudefinieren. Damit setzt er bei der Glücksforschung an und verbindet diese Thematik gekonnt damit.

Geld kann uns Unabhängigkeit und Freiheit schenken. Unabhängigkeit vom Chef, von Banken, dem Staat oder den Eltern sowie die Freiheit, über die eigene Zeit zu entscheiden. In diesem Zusammenhang ist die von Housel entwickelte 16-stufige Einteilung der finanziellen Unabhängigkeit sehr interessant. Er definiert sie von der vollständigen finanziellen Abhängigkeit von anderen Menschen bis hin zu dem Punkt, an dem man jeden Morgen mit dem Wissen erwacht, tun zu dürfen, was, mit wem und so lange man will. Das Buch lädt dazu ein, sich selbst auf dieser Skala ehrlich einzuordnen – nicht am Kontostand, sondern an der realen Freiheit und Hoheit über die eigene Zeit.

Am Ende rundet eine kurze Zusammenfassung die wichtigsten Erkenntnisse ab.

Fazit:

Mit seinem dritten Buch hat Morgan Housel einen wertvollen Ratgeber für den Umgang mit Geld und das richtige Mindset verfasst. Er betrachtet den Sinn von finanzieller Unabhängigkeit und wie man diese erreichen kann aus der Perspektive des Lebens. Es ist ein Buch über Entscheidungen, Werte und Glück – und darüber, wie Geld all das beeinflusst.

Die Stärke liegt nicht im völlig Neuen, sondern in der Art, wie er Bekanntes sortiert und in einen stimmigen Zusammenhang bringt.

Während sich sein erster Bestseller mit den psychologischen Aspekten des Geldes befasst, beschäftigt sich dieses Buch in erster Linie mit der philosophischen Seite des Geldes. Housel orientiert sich dabei gerne an den Stoikern mit einer Einladung zur finanziellen Selbstreflexion.

Sein Schreibstil liest sich flüssig und man taucht gerne in die lebendigen Geschichten ein, die als positives wie negatives Beispiel dienen. Er schreibt klar, verständlich und ohne Fachjargon.

Geeignet für:  alle Interessierten

Bewertung: inspirierend

Über den Autor:

Morgan Housel, Journalist, Finanzautor, Partner bei der Risikogesellschaft The Collaborative Fund.

 

Verlag: Finanzbuch Verlag

Taschenbuch: 214 Seiten

Erscheinungsdatum: Oktober 2025

Genre: Finanzbuch