Die Krise liebt Frauen wie dich
Wie du finanziell resilient wirst und wächst – egal, was kommt
Natascha Wegelin hat es wieder getan: Sie hat einen zweiten Spiegel-Bestseller geschrieben, der weit über die Grenzen eines klassischen Finanzratgebers hinausgeht! Er ist zugleich Analyse, Weckruf und Werkzeugkasten. Genau diese Verbindung macht das Buch so stark: Es erklärt nicht nur, wie Frauen finanziell resilienter werden können, sondern auch, warum das heute dringlicher ist denn je. Dieses Mal kombiniert sie darin gekonnt die Elemente „Female Finance“ und „Resilienz“.
Schon der Einstieg macht klar, in welcher Welt dieses Buch verortet ist: Inflation, geopolitische Spannungen, gesellschaftliche Polarisierung, Rückschritte bei der Gleichstellung und Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt.
„Eine Frau ohne Geld ist eine Frau ohne Macht.“
Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Eingestreut sind immer wieder Szenen vom „Madame Moneypenny Day 2025“, die das Buch mit Geschichten auflockern und es in die Gegenwart holen.
Im ersten Teil „Die Welt im Wandel“ durchleuchtet Natascha die aktuellen politischen Lagen im In- und Ausland. Dabei erläutert sie auch, welche Auswirkungen diese auf die Börsen haben. Mit zahlreichen Statistiken und Quellenangaben belegt sie ihre Argumente schlüssig. Leider kommt sie zu dem Ergebnis, dass Frauen in der Finanzkrise, der Coronakrise und der Energiekrise härter, häufiger und existenzieller als Männer betroffen sind und auf dem Arbeitsmarkt die Verliererinnen sind. Denn Frauen arbeiten meist im Dienstleistungsgewerbe, in der Gastronomie oder im Einzelhandel – Branchen, die in Krisenzeiten weniger frequentiert werden. Das ist ein Teufelskreis. So haben Frauen ein geringeres Nettogehalt und können weniger für ihre eigene Rentenzeit vorsorgen. Genau hier setzt das Buch an.
„Während Männer meist nur die direkten wirtschaftlichen Folgen einer Krise spüren – etwa Arbeitsplatzverlust in ihrer Branche -, wirken sich Krisen für Frauen oft in mehreren Wellen aus. In späteren Phasen reagieren Staaten häufig mit Sparmaßnahmen (Austerität), besonders im öffentlichen Dienst, Gesundheitswesen, Sozialbereich und in der Bildung – genau jenen Sektoren, in denen Frauen überrepräsentiert sind. Dadurch trifft sie die zweite Welle doppelt: ökonomisch und strukturell.“
Das aus den 1950er Jahren stammende, patriarchale Steuer- und Gesellschaftsmodell des Ehegattensplittings benachteiligt Frauen. Der Steuervorteil ist für Paare am größten, wenn ein Partner nicht arbeitet – in den meisten Fällen ist dies die Frau. Frauen werden so gezielt vom Arbeitsmarkt verdrängt. Das bedeutet, dass sie kein eigenes Vermögen aufbauen können. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: Die Geschlechterlücke in Deutschland ist im Vergleich zu skandinavischen Ländern besonders gravierend. Sei es bei den Stundenlöhnen, der Gesundheitsversorgung, den Hygieneprodukten, den Versicherungspolicen, den Karrierechancen oder der Kreditvergabe: Frauen werden von Industrie, Institutionen und Arbeitgebern systematisch diskriminiert. Das ist ein Rückschritt in der Gleichstellung.
„Das patriarchale System zielt darauf ab, Frauen finanziell abhängig vom Mann zu halten und sie somit in die Ehe zu treiben.“
Doch Natascha präsentiert auch Lösungen beziehungsweise Werkzeuge für mehr Handlungsmacht.
„Life isn’t waiting for the storm to pass. It’s about learning to dance in the rain.“ (Vivian Greene)
Im zweiten, praktischen Teil „Finanzielle Resilienz“ stehen die acht Faktoren der Resilienz im Mittelpunkt, die in einer Metapher zu einem Ökosystem bzw. Organismus eines Baums dargestellt werden.
„Was versteht man unter finanzieller Resilienz? Finanzielle Resilienz ist Ihre Fähigkeit, Lebensereignisse zu überstehen, die Ihr Einkommen oder Vermögen beeinträchtigen. Es ist ein langfristiger Ansatz im Umgang mit Geld. Sollten unerwartete Ausgaben anfallen, bedeutet die Fähigkeit, diese zu bewältigen, finanzielle Widerstandsfähigkeit.“ (serveandprotectcu)
Die acht Faktoren der finanziellen Resilienz umfassen psychologische Resilienz, die Übernahme finanzieller Verantwortung, geldtechnische Selbstbestimmung, einen Notgroschen, juristische Vorsorge, Finanzbildung, eine Investitionsstrategie und den Aufbau von Humankapital.
Die Kernbotschaft des Buches ist klar: Finanzielle Unabhängigkeit ist für Frauen kein Lifestyle-Thema und kein „Nice-to-have“, sondern Schutz, Handlungsmacht und im Zweifel eine Überlebensstrategie. Geld bedeutet hier nicht nur Rendite, sondern auch die Möglichkeit, Entscheidungen nicht aus Angst, sondern aus Würde zu treffen. Genau deshalb wirkt das Buch so kraftvoll: Es verbindet das Thema Vermögensaufbau mit Selbstbestimmung, gesellschaftlicher Teilhabe und weiblicher Freiheit.
Fazit:
Mit ihrem zweiten Buch „Die Krise liebt Frauen wie dich“ hat Natascha Wegelin einen umfangreichen Ratgeber mit Werkzeugen für finanzielle Resilienz geschrieben. Man könnte es deshalb auch als politisches Buch bezeichnen, denn es geht nicht nur darum, das Vermögen der Leserinnen zu erhöhen, sondern auch darum, die Gleichberechtigung auf gesellschaftlicher Ebene zu verbessern. Konkret bedeutet das, dass sich Väter und Ehemänner mehr an der Care-Arbeit beteiligen oder alternativ Ausgleichszahlungen an die Mütter leisten sollten.
Das Buch ist sprachlich sehr zugänglich geschrieben. Trotz der anspruchsvollen Themen im ersten Teil bleibt der Schreibstil sehr verständlich und nachvollziehbar.
Die Aufteilung des Buches ist sinnvoll: Erst werden die globalen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergründe analysiert und im zweiten Teil werden praktische, handlungsorientierte Lösungsstrategien präsentiert. Immer mit dem Ziel, Frauen zu empowern. Das Buch macht nicht nur deutlich, warum Frauen in Krisenzeiten besonders verwundbar sind, sondern auch, wie sie sich strategisch, mental und finanziell so aufstellen können, dass aus Ohnmacht wieder Gestaltungskraft wird.
Nun stellt sich noch die Frage: „Wie ist der Buchtitel genau zu verstehen?“ Nach der Theorie der Resilienz macht eine Krise stärker und man lernt aus ihr. Eine Krise zwingt uns, kreative Lösungen zu finden. Innovationen entstehen in Krisenzeiten. „Not macht erfinderisch.“ Und besonders für Börsianerinnen heißt es: Investiere in Krisenzeiten – das bringt langfristig die meiste Rendite. Wer nicht nur irgendeinen Finanzratgeber sucht, sondern ein Buch, das Zusammenhänge sichtbar macht und gleichzeitig konkrete Impulse gibt, wird hier sehr viel mitnehmen können.
Geeignet für: Frauen, die an Mindset und Finanzen interessiert sind
Bewertung: erhellend, augenöffnend, empowernd
Über die Autorin:
Natascha Wegelin, Wahl-Berlinerin, Bloggerin, Unternehmerin, Finanz-Coachin, 2015 gründete sie die Madame Moneypenny GmbH
Verlag: Heyne
Taschenbuch: 350 Seiten
Erscheinungsdatum: 21.01.2026
Genre: Persönlichkeitsentwicklung, Finanzbuch